Weihnachten, Silvester und Lappland

So, moi,

erstmal frohes neues Jahr und willkommen zu meinem ersten Blogeintrag im Jahr 2025. Ich dachte, ich erzähl euch mal ein wenig wie Weihnachten und Silvester hier in Finnland war.

Ich muss aber vor Weihnachten anfangen. In der letzten Schulwoche vor Weihnachten (16.12-20.12) gab es zum einen am Montag einen Ausgabe vom Samke TV, dem schuleigenen TV Sender auf YouTube. Wie ich schon vorher erwähnt, wurde ich ja für die Weihnachtsausgabe interviewt, deshalb dachte ich, stell ich euch den Link hier mal rein (ist unten am Ende).

Am Freitag gab es dann keine normale Schule, sondern man hatte zwei Optionen: entweder man geht in die Kirche, aber es war kein Gottesdienst, oder man geht zu einem anderen Lukio und die Weihnachtsfeier da. Das Ganze hat unsere Schule mit dem anderen Lukio zusammen organisiert. Ich hatte aber tatsächlich keine Wahl, da ich ja im Chor bin und deshalb war ich in der Kirche und wir haben Weihnachtslieder auf Finnsich gesungen. Das war auf jeden Fall ziemlich cool. Der Tag hat um 9 Uhr mit Joulu Purro begonnen, das ist ein typisches Finnisches Weihnachtsfrühstück Gericht. Es ist eigentlich einfach nur Milchreis. Von 10-11 Uhr war dann die Weihnachtsfeier und danach war der Schultag beendet und wir konnten nach Hause gehen.

Meine zweite Gastfamilie hat einfach ein Cottage in Lapland in Ylläsjärvi und da sind mein Gastvater und ich am Samstag um 9 Uhr morgens hingefahren. Meine Gastmutter ist mit meiner einen Gastschwester, Elina, sie ist 26, schon am Freitag los und Erkki (mein Gastvater) und ich haben auf dem Weg in Jyväskylä (wird Jüwasküla ausgesprochen) Laura, meine zweite Gastschwester, sie ist 32, und Morris, ihren 5 Monate alten Hund eingesammelt und sind dann weiter nach Lappland. Insgesamt waren wir mit Pausen fast 13 Stunden unterwegs, was vor allem daran lag, dass es in Finnland ein Tempolimit gibt, auf den meisten Straßen 100 gilt und bei Schnee 80 km/h und es lag Schnee. Also sind wir die ganze Strecke mit 80-100km/h gefahren und waren dann um kurz nach 22 Uhr endlich da.

Wir sind jetzt bis zum 04.01 in Lapland geblieben, also über Weihnachten und Neujahr.

Weihnachten in Finnland ist auf jeden Fall ein wenig anders als in Deutschland und jede Familie feiert natürlich auch ein wenig unterschiedlich. In meiner Gastfamilie hatten wir am Morgen vom 24. Joulu Purro, also wie schon vorher erwähnt Weinachtsporrige/Milchreis. Am Nachmittag so gegen 14 Uhr sind wir dann zum Friedhof gefahren, da Marita (meine Gastmutter) Verwandte hat, die dort begraben wurden, und haben an ihren Gräbern jeweils eine Kerze gestellt. Das ist etwas sehr typisches in Finnland, an einigen Friedhöfen gibt es Orte, wo man eine Kerze hinstellen kann, wenn die Verwandten woanders begraben sind. Die Idee dahinter ist, dass Weihnachten ja das Fest der Familie ist und man so an verstorbene Verwandte erinnern möchte. In Lappland ist es zu dieser Jahreszeit ja auch schon fast komplett dunkel um 14:30 Uhr und dadurch hatte es echt etwas sehr schönes und ruhiges die Kerzen auf dem Friedhof aufzustellen, da auch noch sehr viel mehr Kerzen an fast jedem Grab standen. Ich finde, es ist eine wirklich schöne Tradition.

Gegen 15:30 Uhr haben wir dann mit dem ersten Teil des Abendessen angefangen, der aus kaltem Essen bestand. Es gab sehr viele verschiedene Dinge mit Fisch, mehr oder weniger traditionell. Meine Gastmutter hat auch extra Kartoffelsalat nach dem Rezept meiner Oma gemacht, um etwas Deutsches mit reinzubringen, das war echt voll cool. Ich kann auch ganz stolz sagen, dass ich alles zumindest probiert habe.

Dann haben wir eine Pause gemacht, ein paar Leute mussten noch schnell ein paar Geschenke einpacken, bevor wir mit der Bescherung angefangen haben. Ich glaube, das wird auch in jeder Familie ein wenig anders gemacht, hier haben wir erstmal alle Geschenke verteilt und wir haben sie dann gleichzeitig aufgemacht. Von Zuhause Zuhause (Deutschland) sind einfach nur die Geschenke von meinen Freunden rechtzeitig angekommen, deshalb bekomme ich noch ein paar Weihnachtsgeschenke, wenn ich wieder Zuhause in Tampere bin.

Nach dem Geschenkeauspacken ging es dann weiter mit dem Essen, diesmal warmes Essen. Es gab Kartoffelpüree, so eine Art Karottenpüree, noch mehr Fisch, Rentier und Weihnachtsschinken. Danach haben wir noch ein Spiel gespielt und Weihnachtskuchen gegessen. Ihr seht also, Finnische Weihnachten haben auch sehr viel mit Essen zu tun. Aber Weihnachten war mit dem 24. Dezember dann auch vorbei, ich habe das Gefühl, dass wir in Deutschland zumindest am 25. vielleicht auch noch den 26. immer noch Weihnachten haben.

In der Zeit in Lappland haben wir sehr viele verschiedene Sachen gemacht. Drinnen viel gechillt, gelesen, geschrieben, Spiele gespielt, Sisi geguckt (man muss ja ein paar Deutsche Weihnachtsfilme zeigen) und draußen wurde ich in den Winteraktivitäten durchgenommen. Wir waren vier Mal Langlaufskifahren mit dem Skating Style (Es gibt classic und skating style, classic ist mehr oder weniger wie gehen und skating ein bisschen wie Schlittschuhfahren von der Bewegung her). Insgesamt bin ich jetzt schon 33,6 km Ski gefahren.

An einem Tag waren wir auch normal Skifahren, also einen Berg runter, ich habe mich glaub ich gar nicht so schlecht angestellt, ich war ja aber auch schon drei Mal Skifahren. Wir sind auch eine schwarze Piste runtergefahren, sonst größtenteils Rote. Im Vergleich zu meinen Gastschwestern und meinem Gastvater sehe ich natürlich ein bisschen langsam und schlecht aus, aber die machen das ja auch schon viel länger und viel öfter.

Zwei Mal sind wir zu einem Cafe mitten im Wald gelaufen und haben dort Pfannkuchen und Kakao getrunken. Einmal sind wir zu einer Hütte gewandert und haben dort über einem Lagerfeuer Pfannkuchen gemacht. Ihr wisst nicht, wie überrascht ich war, als mein Gastvater plötzlich eine Bratpfanne und eine Pfannkuchenmischung aus dem Rucksack gezogen hat. Finns are built different. War aber auf jeden Fall cool.

Und einmal (02.01.) sind wir auch auf einen der Berge hochgewandert. Das mit Abstand coolste daran war natürlich die Sicht, aber noch besser war, dass man die Sonne einfach sehen konnte. Wir sind hier in Lappland ja nördlich vom Polarkreis und ich habe seit unserer Ankunft hier die Sonne so gut wie gar nicht gesehen. Ihr wisst nicht, wie cool es ist, dann ist die Sonne zu sehen.

Ansonsten waren wir noch in einem Schneehaus/Kunstding. Es war ein Gebäude komplett aus Schnee und innen, drinnen waren Statuen aus Schnee und Eis und auch die Wände waren damit verziert.

In Lappland durfte natürlich auch die Sauna nicht fehlen, ich war ein paar Mal in der Sauna, immer allein, weil in meiner Gastfamilie in der Regel immer jeder allein geht. Es ist überraschend entspannend alleine in die Sauna zu gehen, wenn man sich dann noch ein bisschen Musik anmacht.

Und natürlich habe ich auch nach Weihnachten mit meiner Familie und meiner Oma, meiner Oma und Opa usw. telefoniert.

Silvester war auf jeden Fall auch ziemlich cool. Ich bin am Mittag (weil es da hell ist) erstmal 11.4 km Ski gefahren zusammen mit meinem Gastvater, zu einem See, wo ich und meine Gastschwestern dann Eisbaden waren. Es war gar nicht so kalt, wie ich es mir vorgestellt hatte, das Schlimme war eigentlich nur der Weg vom See ins Haus.

Am Abend gab es dann typisch Finnisches Silvesteressen: Würstchen und Kartoffelsalat. Da habe ich fast ein bisschen Weihnachtsstimmung bekommen.

So gegen 22 Uhr gab es dann Nordlichter draußen, ich habe ja schon welche auf der Laplandtour gesehen, aber das an Silvester war noch einmal anders, da man sie sehr viel besser mit bloßem Auge sehen konnte, es war auf jeden sehr schön.

Zum eigentlichen Feuerwerk sind wir dann zu einem zugefrorenen See in der Nähe gefahren und haben es uns von dort angeguckt. In Finnland machen nicht mehr viele Haushalte Feuerwerke selber, es gibt eher von der Stadt organisierte Feuerwerke. Wir haben auch gar nichts selbst gezündet. In Tampere ist es auch in einigen Teilen der Stadt komplett verboten. Ich hatte auch insgesamt das Gefühl, dass es deutlich weniger Feuerwerk in Finnland gab, als ich es von Deutschland gewohnt bin und auch nicht so lang. Um fünf nach zwölf war das Meiste durch. Ich weiß natürlich nicht, ob es daran lag, dass wir in Lapland waren oder ob es überall in Finnland so ist, aber so wie ich meinen Gastvater verstanden habe, ist es wohl allgemein weniger in Finnland als in Deutschland.

 

Zum Abschluss von unserem Lappland Urlaub ist es dann nochmal richtig kalt geworden. Unser Cottage war auf einem Berg und es waren ungefähr -15°C, unten im Tal waren -25°C. Und der nächste Tag war noch kälter und wir waren draußen unterwegs, nicht so lange, aber schon ein bisschen. Wegen der Kälte ist dann auch am 03.01. das WLAN einfach verschwunden. Mein Gastvater meinte, das passiert hier wohl mal und wenn es ganz kalt für einen längeren Zeitraum ist, kann es auch selten dazu kommen, dass der Strom komplett ausfällt, weshalb einem beim Hausbau empfohlen wird, einen Kamin einzubauen.

Ich hatte auf jeden Fall eine sehr schöne Zeit in Lappland und es war sehr interessant, aber auch komisch, Weihnachten und Neujahr in einem anderen Land mit anderen Traditionen zu feiern.

https://www.youtube.com/watch?v=6-mSdu0heWQ (Samke TV Link) ->meine Part beginnt ab 19 Minuten und mein Interview beginnt in Minute 20:24. Die Fragen werden auf Finnsich eingeblendet, aber aufgrund meiner Antworten könnt ihr euch bestimmt zusammenreimen, was gefragt wurde oder mich fragen.

 


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